Das Werben, die Arterhaltung Teil 4

Die Braut- oder Bräutigamwerbung

Wir wissen jetzt, wie eine mögliche Besetzung auszusehen hat, wir wissen ein klein wenig über Eva Bescheid und wir können auch im Groben sagen, wie denn Adam so funktioniert. Was fehlt uns jetzt noch? Richtig, der Reproduktionsvorgang. Ehe wir uns nun aber mit der eigentlichen Paarung beschäftigen können, müssen wir uns noch einem in seiner Wichtigkeit oftmals unterschätzten Teil eben jener zuwenden, nämlich der Partnerwerbung. Wie wir bereits im ersten Teil dieses Leitfadens gelernt haben dient eine Paarung an der nur ein Teammitglied teilnimmt nicht der Erhaltung der menschlichen Spezies. Aus diesem Grund beginnt die erfolgreiche Fortpflanzung in 73% aller Fälle mit einer gelungenen Partnerwerbung, die restlichen 27% können diesen Prozess überspringen, da sie so zu sagen von Dritten zu Zuchtzwecken zu einander geführt wurden, dies geschieht meistens bei vorab besprochenen Ehen, wobei hier der weibliche Teil häufig einfach zugekauft wird. Beschäftigen wir uns aber nun etwas genauer mit dem Normalfall, also der Brautwerbung. In den meisten Fällen übernimmt hier, wie fast im ganzen Tierreich üblich, das Männchen die Initiative, es kommt aber mit fortschreitender Emanzipation der Frau auch immer häufiger vor, dass das Weibchen aktiv auf Partnersuche geht. Sehen wir uns zunächst aber mal die Brautwerbung des Männchens an. Sie gliedert sich in mehrere, nicht klar voneinander abgrenzbare Phasen. In der ersten Phase wird das Männchen auf das Weibchen aufmerksam, dieser Prozess wird häufig von einer mehr oder weniger unnatürlichen Kopfstellung (manche Männer wenden ihren Kopf in einem Radius nach hinten, der weit außerhalb der üblichen Norm liegt), sowie einer Veränderung der Atemmechanik (Beobachtungen zeigen, dass viele Männer vor Beginn der Brautwerbung bis weit in den eigentlichen Prozess hinein ihre Bauchmuskulatur unnatürlich unter Spannung setzen und anschließend nur noch den Brustbereich zum Atmen nutzen) des Männchen begleitet. Gleich unmittelbar nach der Entdeckung des Weibchens beginnt das Männchen mit Hilfe verschiedenster lautstark vorgebrachter Lockrufe auf sich aufmerksam zu machen. Diese Rufe haben nicht selten die anatomischen Beschaffenheiten des Weibchens zum Inhalt, wodurch das werbende Männchen vermutlich Verwechslungen ausschließen möchte. Eine bis noch vor kurzem gängige Theorie, wonach der Mann durch seine Lockrufe auch weitere Männchen auf seine Entdeckung aufmerksam machen möchte wurde von der Forschung als falsch erwiesen. In der nächsten Phase startet die eigentliche Brautwerbung, der Mann beginnt damit, der Frau seine Vorzüge näher zu bringen. So weist er zum Beispiel darauf hin, dass er mit besonders leistungsfähigen und überdurchschnittlich großen Geschlechtsorganen ausgestattet ist. Viele Männer versuchen auch Körperkraft oder besonders ästhetische Vorzüge, wie etwa kunstvoll angeordnetes Haupthaar oder auch verschiedenste Körpermodifikationen wie etwa Piercings oder Tätowierungen in die Waagschale zu werfen, um die Aufmerksamkeit einer potenziellen Partnerin zu erringen. Hat der Mann diese erste Hürde genommen und das Weibchen signalisiert Interesse geht der ganze Prozess in die dritte Phase über. In dieser Phase verfällt der Mann in stammesgeschichtlich sehr altes Verhalten, er versucht nun seine Fähigkeiten hinsichtlich einer funktionierenden Brutfürsorge unter Beweis zu stellen, indem er Nahrungsmittel wie etwa Getränke oder kleine Snacks herankarrt, dies stellt wohl eine Analogie zu der Zeit her, in der der Mann außerhalb der heimischen Höhle für die Nahrungsbeschaffung zuständig war. Dies ist auch die Phase, in der sich das Männchen mental bereits auf einen möglichen Zeugungsakt einstellt, weshalb proportional zur fortschreitenden Zeit auch die Nervosität steigt. Hier findet man auch den ersten Punkt, an dem die Situation zwei verschiedene Wendungen nehmen kann. Der weitaus größte Teil der Damenwelt hat zum Leidwesen des weitaus größten Teils der Männerwelt wesentlich mehr Geduld, was den Start des eigentlichen Fortpflanzungsaktes betrifft. Drängt der Mann nun zu sehr auf sein subjektiv wahrgenommenes Paarungsrecht besteht durchaus die Möglichkeit, dass die Frau ihr Interesse verliert und sich einem anderen Mann zu wendet. Gelingt es dem Mann aber kühlen Kopf zu bewahren, nimmt er vermutlich auch diese Hürde und findet sich in der letzten Phase wieder. Nun entscheidet sich das weitere Vorgehen, in manchen Fällen wurde die Frau soweit beeindruckt, dass sie einer Paarung umgehend zustimmt, in vielen Fällen aber startet der eher bürokratische Teil der Frau-Mann Beziehung, es werden Kontaktdaten wie etwa Telefonnummern oder Wohnadressen ausgetauscht. Wobei mittlerweile zu beobachten ist, dass die Emanzipation auch hier Einzug gehalten hat und Frauen wesentlich selbstbewusster auftreten, als noch vor einigen Jahrzehnten. Sie gehen auch selbst auf die sprichwörtliche Jagd. Aus dem Jäger wird somit der Gejagte. Das Verhalten der Frauen in der Partnerwerbung unterscheidet sich allerdings in 99% der Fälle von jenem der Männer fundamental. Im Gegensatz zum Mann, der versucht auf sanftem, ja mitunter sogar abwartendem Wege zum Ziel zu gelangen fällt die Frau sozusagen mit der Tür ins Haus. Sie ködert ein zeugungsfähiges Männchen mit der Darstellung ihrer sexuellen Präferenzen, in der Hoffnung, dass der erwählte Partner in Erwartung eines einzigartigen sexuellen Erlebnisses rationales Denken hintenanstellt und so zur leichten Beute wird. Man kann also behaupten, dass Frauen hier wesentlich effizienter vorgehen als Männer, ihr Werben erstreckt sich über eine kurze Phase und ist in fast 100% der Fälle von Erfolg gekrönt. So, da wir nun unser Rüstzeug beisammen hätten, wollen wir uns dann im nächsten und letzten Teil mit dem eigentlichen Akt, der Fortpflanzung beschäftigen.

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