Der Klugscheißer, die traurige Wahrheit.

Heute möchte ich mich einem Begriff annehmen, den jeder von uns schon einmal leichtfertig und unbedacht benutzte, dessen Herkunft aber weitgehend im Dunkeln liegt und eigentlich auf dem traurigen Schicksal einiger Weniger fußt. Es handelt sich um den:

Klugscheißer

Wir sind es heute gewohnt, dass wir Zeitgenossen, die zu allem eine Meinung haben (und da wenn geht immer eine gegenteilige), über alles und jeden Bescheid wissen (völlig unerheblich inwieweit sie mit der Materie vertraut sind, sie wissen Bescheid) oder jeder Tätigkeit von Natur aus gewachsen sind (ganz gleich ob Blumen gießen oder ein Spaceshuttle steuern, sie können alles aus dem Stegreif) gerne den Titel „Klugscheißer“ verpassen. Wir vergessen aber jedes Mal, wenn wir einen Zeitgenossen in den Stand des Klugscheißers erheben, dass es sich hier um eine ernst zunehmende Krankheit handelt, an der viele unserer Mitmenschen leiden. Viele wissen es selbst nicht, speziell wenn sich die Erkrankung noch im Anfangsstadium befindet. Die meisten Menschen, die sich ihres Schicksals nach langer Zeit bewusst werden fristen schlussendlich ihr Dasein im Verborgenen. Einige wenige versuchen ihr Manko zu kompensieren, indem sie in die Öffentlichkeit drängen, wo sie nicht selten nach Führungspositionen (oft in Politik oder gemeinnützigen Organisationen) greifen, da hier schwindende Intelligenz nur sehr spät augenscheinlich wird, dies ist aber eher die Ausnahme. Doch worum handelt es sich bei diesem aus dem öffentlichen Bewusstsein weitgehend verdrängten Phänomen. Nun, es handelt sich um eine Erkrankung des Zentralen Nervensystems mit dem Namen Exkrementum nervosa. Diese Erkrankung wartet mit einer Pathologie auf, wie sie bis jetzt noch bei keiner anderen Krankheit beobachtet werden konnte. Die ersten Symptome treten meistens mit dem Einsetzen der Pubertät auf und sind nur sehr schwer vom pubertären Verhalten eines gesunden Teenagers zu unterscheiden. Die Patienten fallen besonders durch Kommentare oder Handlungen auf, die vom gesunden Mitmenschen bestenfalls als surreal wahrgenommen werden. Hier beginnt bereits die eigentliche Pathologie. Das Gehirn des jungen Menschen beginnt damit Hirnnervenzellen, die bekanntlich ja nicht ersetzt werden können, langsam abzubauen und in Richtung Peripheres Nervensystem zu drängen. Beginnt die Krankheit im Teenageralter verzögert sich der Verlauf ein wenig, da das Gehirn ja noch nicht völlig ausgebildet ist und einzelne Ausfälle noch überbrücken kann, was bei älteren Patienten dann nicht mehr der Fall ist. Man spricht in dieser ersten Phase, auch aufgrund der besonderen Symptomatik von „Hirnschwund“. In der nächsten Phase kommt es dann zu Symptomen, die in weiterer Folge dazu führen, dass man in der Fachwelt von „Klugscheißen“ spricht. Die abgebauten Hirnnervenzellen beginnen einige Zeit, nachdem sie ihren angestammten Platz verlassen haben anzuschwellen, was in weiterer Folge dazu führt, dass sie aus dem knöchernen Schädel in Richtung weicherer Torso ausweichen. Dies geschieht über die Nervenbahnen des peripheren Nervensystems. Die abgestoßenen Nervenzellen bewegen sich innerhalb der Myelinscheide langsam in Richtung Körperkern. Während dieser Zeit fallen die Patienten besonders dadurch auf, dass ihnen eigene verbale Ausfälle nun selbst nicht mehr auffallen, weiters lässt sich oft eine maßlose Überschätzung der eigenen Fähigkeiten beobachten. Nun beginnt die Phase, die der eigentliche Namensgeber der Erkrankung ist. Nach einiger Zeit sammeln sich die abgestoßenen Hirnzellen im Bereich rund um den Dickdarm und diffundieren durch die Darmwand. Hier sammeln sie sich wieder und vermischen sich nicht selten mit den Verdauungsresten des Patienten. Hat dieses Hirn-Kot-Konglomerat dann seine kritische Masse erreicht wird es durch die Darmperistaltik in Richtung Enddarm bewegt, wo es dann den Körper für immer verlässt. Da es bei Patienten im Endstadium durchaus vorkommen kann, dass der Inhalt der Toilettenschüssel den Intelligenzquotienten seines Verursachers um ein Vielfaches übertrifft spricht man nun auch von einem „Klugscheißer“. Die Krankheit selbst ist nur in den seltensten Fällen letal, da nur etwa 75% der Hirnmasse diesem Effekt zum Opfer fallen, das Gehirn also durchaus dazu in der Lage ist einen „Notbetrieb“ aufrecht zu erhalten. Bis zum heutigen Tage ist noch nicht erklärt, was die Ursache dieser Erkrankung ist, einige Theorien sehen genetische Ursachen in der Verantwortung andere wiederum vermuten eine bisher unbekannte biogene Noxe wie etwa einen Parasiten oder Bakterien, Radioaktivität oder schlicht und einfach das stetig wachsende Angebot von Halbwissen in unserer digitalisierten Welt. Wie dem auch sei, wir werden es vielleicht niemals erfahren. Doch nicht nur in der Frage der Entstehung dieses Leidens tappen wir im Dunkeln, nein bis zum heutigen Tag ist auch keine brauchbare Therapie verfügbar, weshalb die Patienten vielfach sich selbst überlassen werden. Was wir aber alle machen können ist, diesen bemitleidenswerten Menschen mit Nachsicht, Respekt und Verständnis gegenüber zutreten, so schwer es uns auch fallen mag.

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